Ergebnisse des Mini-Workshops: Visionen zu Kinderrechten im Netz mit Blick auf 30 Jahre UN-KRK (Ingrid Stapf)

Haben wir genug Visionen von einem Netz, in dem Kinderrechte gelten?

Wenn wir vom Netz und Kindern sprechen, fällt uns ganz schnell ein, was wir alles nicht wollen und was den Kindern nicht passieren soll. Daher drehen sich viele (wichtige) Diskussionen um den Schutz von Kindern. Schutz ist eines der drei wichtigen Kinderrechte. Daneben geht es aber auch um Befähigung und vor allem um Beteiligung. Aber welche Vorstellungen haben wir von einem Netz, in dem Kinderrechte umgesetzt sind? Welche Visionen können wir verfolgen und anstreben? Der Workshop hat erste Überlegungen dazu angestellt, diese Visionen schon als ein netzpolitisches Thema zu verstehen. Weil sie Möglichkeitsräume schaffen für etwas, was sich dann stetig weiter entwickeln kann.

Bei den Diskussionen haben sich sehr schnell einige Spannungsfelder gezeigt: Wie kann konkret Beteiligung aussehen, wenn Kinder immer auch vor ungeeigneten Inhalten, Kontakten oder Erfahrungen geschützt werden sollen? Wo soll die Beteiligung stattfinden? Sprechen wir von Kinderräumen im großen Netz (eine Art Kinderecke) oder sind Kinder von Anfang an im „richtigen“ Netz? Die Idee kam auf zu einem Mitwachsraum – einem Raum, in dem Kinder im Altersverlauf wachsen und mehr ausprobieren können, indem sich die Möglichkeiten erweitern und den sie zunehmend selbst gestalten können und in dem sie Fehler machen können.

Eine 17-jährige im Workshop wies darauf hin, dass das für viele Kinder aber vielleicht gar nicht so spannend sei. Schließlich finde man auch als Kind schon das, was man suche und in extra für Kindern oder Jugendlichen gemachten „Räumen“ fühlten sich viele Kinder gar nicht ernst genommen. Vielleicht ja auch gerade deswegen, weil es Erwachsenensichtweisen, ihr Wissen, ihre Vorannahmen und „Produkte“ sind, die Kindern dann gefallen sollen. Kinder suchten aber, je älter sie würden, gerade Räume ohne Erwachsene, wo sie sich unbeobachtet fühlen könnten. Denn Kinder haben laut der Kinderrechtskonvention auch ein Recht auf eine Privatsphäre.
Die Erwachsenen, so entstand eine These, müssten vielleicht viel mehr aushalten lernen, die Kinder auch mal negative (aber keine verstörenden) Erfahrungen machen lassen, weil sie erst so wirklich lernen, selbstbestimmt zu werden. Aber gibt es diese Räume? Wenn ja, und das war eine andere Feststellung, sei es für kleinere, aber auch größere Kinder wichtig, dass es Transparenz und Hilfe gibt: Wie öffentlich oder privat bin ich? Was kann ich einstellen? Selbst entscheiden? An wen kann ich mich wenden, wenn ich etwas Problematisches erfahre? Und wo kann ich bei Angeboten selbst mitbestimmen? Kinder sollten mit bestimmen können, müssen es aber nicht. Denn nicht alle Kinder wollen immer hochgradig partizipieren. Oder überhaupt Medien nutzen.
Rechte zu haben als Kind heißt also vielmehr, für sich selbst entscheiden zu lernen, was wann und wie gut tut. Und Raum dazu zu haben, dies zu denken und zu artikulieren. Es heißt nein sagen lernen. Sowie die Möglichkeit zu zivilen Ungehorsam. Aber eben in einem Raum, der zumindest so geschützt ist, dass der Jugend(medien)schutz (auch ein Kinderrecht) greifen kann. Und da sind wir gerade an dem Punkt, dass das im Netz immer schwieriger wird. Umso wichtiger, so ein Fazit, dass Kinder auch bei netzpolitischen Bestrebungen mitbestimmen können. Ihre Stimme braucht in jedem Fall mehr Raum, damit sich gesamtgesellschaftliche Konzepte oder Prozesse anregen lassen, damit sich Schutz, Befähigung und Beteiligung verbinden. Auf geht’s!